Lycopodium: Der Tyrann und sein Untertan

Lycopodium clavatum ist in der Homöopathie eine Person, die zwei Persönlichkeiten in sich birgt: den Tyrannen und seinen Untertan. Diese Menschen sind „der Wolf im Schafspelz“.

Das mangelnde Selbstbewusstsein der Lycopodium clavatum-Betroffenen (Keulenbärlapp, Schlangenmoos) verstecken sie unter einem stolzen Auftreten und einer “Ich komme mit allem zurecht”-Mentalität. Wenn sie sich unwohl und aus dem Gleichgewicht gekommen fühlen, möchten sie alleine sein, brauchen aber gleichzeitig die Anwesenheit anderer.

Die Lycopodium clavatum-Betroffenen sind für ihr Alter frühreife Personen mit vorzeitigem grauen Haar und Haarausfall. Sie haben für gewöhnlich ein schlechtes Gedächtnis, insbesondere für Namen. Sie sind fähig, vor Freude zu weinen, wenn sie anderen wirklich dankbar sind.

Sie leiden häufig an Lebererkrankungen und haben Probleme mit dem Verdauungsapparat, dem Urogenitaltrakt, der Haut und den Schleimhäuten sowie dem Stoffwechsel. Die Patienten leiden im Laufe der Zeit auch an Nierenproblemen, an Gicht, Altersflecken und Zwölffingerdarmgeschwüren.

Woran erkennt man einen Lycopodium clavatum-Betroffenen?

Der typische Patient altert frühzeitig physisch und bekommt Falten, gelbliche Haut, Ringe unter den Augen und vorzeitig ergrautes Haar. Er ist zwar dünn, hat jedoch einen Bauchansatz. Er leidet für gewöhnlich unter Haut-, Verdauungs- und Urogenitalproblemen sowie an Kraftlosigkeit.

Die betreffende Person hat einen schwierigen Charakter und sie zeigt sich meist von zwei höchst unterschiedlichen Seiten. Einerseits ist der Lycopodium-Patient empfindsam, vertraut anderen nicht und leidet unter profunden Ängsten.

Andererseits, wenn er nicht gesund ist, versteckt er sich hinter seinem Stolz und der “Ich komme mit allem zurecht”-Mentalität. Der Lycopodium-Patient ist reizbar, er ärgert sich schnell und neigt zu Gewalt.

Außerdem ist er oft undankbar, autoritär und misanthropisch. Er duldet keine Zwischenfälle in Stresssituationen und neigt dann zur Depression. Er sucht die Einsamkeit, obwohl er die Anwesenheit anderer Menschen benötigt.

In seiner körperlichen Leistung ist er begrenzt, aber er hält viel auf seine intellektuellen Fähigkeiten, die über dem Durchschnitt liegen können. Lycopodium spielt sich gerne als verantwortlicher Anführer auf; das ist schon in der Schule so und setzt sich später bei der Arbeit fort.

Der Tyrann in ihm denkt, dass andere unter ihm stehen, während der Ängstliche in ihm sich anderen unterlegen fühlt. Außerdem schmeichelt er sich gerne beim Chef ein.

Welche Symptome hat der Lycopodium clavatum-Betroffene?

Der Patient hat zwar Hunger, ist aber schnell gesättigt. Er isst sehr wenig und immer zur selben Zeit. Er hat oft schon nach den ersten Bissen das Gefühl eines vollen Magens. Außerdem beklagt er sich über einen aufgeblähten Bauch und fühlt sich dadurch gezwungen, seinen Gürtel weiter zu machen, da er nichts duldet, was drückt. Häufig leidet er an schnell auftretendem Juckreiz, der sich jedoch bei Kälte bessert.

Was mag der Lycopodium clavatum-Betroffene und was nicht?

Seine Symptomatik bessert sich bei kalter Luft. Im Gegensatz dazu verschlechtert sie sich zwischen 16 und 20 Uhr, beim Aufwachen und wenn man ihm widerspricht. Der Patient liebt Süßes und sehr heiße Speisen. Auch mag er Austern und Zwiebeln, obwohl er diese schlecht verträgt.

Wann verschreibt man Lycopodium clavatum?

Die Personen, welche sensibel auf Lycopodium reagieren, haben Verdauungs-. Urinal- und Hautprobleme. Sie vertragen vor allem Austern und Zwiebeln nicht. Nachdem sie gegessen haben, haben sie ein gerötetes Gesicht und sind müde. Lycopodium leiden unter Flatulenz, insbesondere im unteren Teil des Magens.

Die meisten Probleme sind vererbten oder persönlichen Ursprungs. Lycopodium neigen dazu, an Zwölffingerdarmgeschwüren, Migräne, atopischer Dermatitis, Asthma und Gicht zu leiden. In der Kindheit leiden sie an atopischer Dermatitis, die durch Kratzen leicht blutet und an acetonischem Erbrechen.

Man verschreibt Lycopodium in allen Lebensphasen, wenn der Patient zur selben Zeit sowohl unter Ängsten leidet und physische Grenzen bei ihm auftreten als auch wenn er sich sehr autoritär verhält.

Lycopodium ist wirksam in…

  • der Kindheit, wenn das Kind sehr von seinen Eltern abhängt und bevor es ein wenig unabhängiger wird.
  • der Jugend, wenn der Jugendliche an seiner Normalität zweifelt.
  • im Alter, wenn die Resultate einer klinischen Analyse und des Gesundheitszustand beunruhigen.

Klinische Indikationen von Lycopodium clavatum

Verdauungssystem

Lycopodium ist wirksam bei Verdauungsstörungen, Flatulenz, Gastritis, Sodbrennen, Verdauungsmigräne, Anorexie im Kindes- und Jugendalter, acetonischem Erbrechen, Zwölffingerdarmgeschwüren und Blasenschmerzen.

Nieren

Lycopodium ist effektiv bei einer Urinal-Lithiasis.

Haut

Lypocodium hilft bei leicht blutenden Ekzemen, seborrhoischen Dermatitis und chronischem Nesselausschlag.

Sonstige

Lycopodium ist wirksam bei starkem Schnupfen, chronischem Nasal-Katarr, Atemwegsallergien, Angst und Reizbarkeit, reaktiver Depression, Ticks im Kindes- und Jugendalter, bei Harnstoff und Cholesterin.

Vergessen Sie bitte nicht, dass die Homöopathie eine individuelle Behandlung (Anamnese) voraussetzt. honatur.com empfiehlt generell den Besuch bei einem Spezialisten.

Foto: MichaelZahniser, CC0 Public Domain