Homöopathie für Rinder

In der Nutztierhaltung gewinnt Homöopathie zunehmend an Bedeutung. Die Molkerei Berchtesgadener Land bietet ihren Mitgliedsbetrieben seit Jahren in speziellen Schulungen an, sich das umfassende Wissen der Homöopathie selbst anzueignen.

Neben Bio-Betrieben entscheiden sich auch immer mehr konventionelle Milchviehbetriebe für eine homöopathische Fortbildung. In einigen Fällen ist es ein erster Schritt für die langfristige Umstellung zum Bio-Betrieb.

Die Zusammenarbeit mit der Tierhomöopathin Birgit Gnadl begann schon 2002, als die Molkerei damals aktiv bestehende Betriebe für Bio zu begeistern versuchte. Anfangs fanden die Kurse in Gaststätten im Einzugsgebiet der Milcherfassung statt.

Seit 2012 wurde die Zusammenarbeit nun intensiviert und die Kurse finden seither 2 x jährlich in Schulungsräumen der Molkerei statt.

Bäuerinnen und Bauern von über 400 Milchviehbetrieben haben bereits an den seit 2012 stattfindenden Homöopathie-Schulungen der Molkerei teilgenommen. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden 2013 kurzfristig zusätzliche Kurse angeboten.

Heute vermitteln die erfahrenen Tierhomöopathinnen Birgit Gnadl und Angela Lamminger-Reith dabei in Basis- und Aufbauseminaren die Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungsweise homöopathischer Heilmittel, die aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ausgangsstoffen gewonnen werden.

Selbstheilungskräfte der Rinder anregen

Mit der alternativen Behandlung werden die Selbstheilungskräfte der Rinder angeregt und das Immunsystem langfristig gestärkt, so dass Antibiotika nur in Notfällen zum Einsatz kommen müssen.

Für Bio-Betriebe hat sich der Umgang mit homöopathischen Mitteln als alternative Tierbehandlung schon lange etabliert, weshalb die Schulungen sehr gut angenommen werden.

Aber auch immer mehr konventionelle Betriebe der Molkerei setzen auf die sanfte Medizin und bilden sich entsprechend fort. Ihr erstes Interesse an der Homöopathie kommt meist durch die Humanmedizin.

Gute Erfahrungen bei der Behandlung der eigenen Kinder legen den Einsatz von diesen sanften Mitteln in der Kälberbehandlung nahe. Zum Beispiel reagieren die Kälber – wie auch Kleinkinder – bei Durchfall hochsensibel.

Eine homöopathische Anwendung kann bereits bei ersten Symptomen helfen: „Wenn die Rinder erste Anzeichen einer Schwäche oder Krankheit zeigen, können wir sie auf ganz natürliche Weise selbst behandeln.

Dadurch sind wir näher am Tier, denn durch die Beobachtung und das frühzeitige Einschreiten und Handeln verringern wird frühzeitig Krankheitssymptome, reduzieren automatisch Kosten für den Tierarzt sowie teure Medikamente.

Insgesamt sind unsere Kühe fitter, ihr Gesundheitszustand hat sich auf lange Sicht verbessert, Krankheitsfälle kommen viel seltener vor und die Lebenserwartung der Tiere ist höher“, berichtet Bauer Bernhard Staller, bei dem die Teilnahme an einer Homöopathie-Schulung 2007 den letzten, entscheidenden Anstoß gegeben hat, auf Bio umzustellen.

Erfahrung und gute Beobachtungsgabe erforderlich

Um die Tiere richtig zu behandeln sei Erfahrung und eine gute Beobachtungsgabe erforderlich: „Der Bauer muss seine Rinder gut kennen und aufmerksam sein. Nur dann kann er frühzeitig und richtig reagieren.

Wichtig ist aber auch, dass der Landwirt erkennt, wenn der Tierarzt herangezogen werden muss“, so Gnadl, die Deutschlands meist verkauftes Rinderfachbuch  verfasst hat.

Je nach Symptom kommen entsprechende Globuli zum Einsatz. Zum Beispiel werden bei Verletzungen am Euter oder um die Schmerzen nach einer Geburt zu lindern Arnika-Globuli verabreicht.

Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land, sieht in dem gestiegenen Interesse eine Bestätigung: „Die so rasant gestiegene Nachfrage nach unseren Schulungen zeigt, dass eine ganzheitliche Nutztiergesundheit an Relevanz gewinnt und die Homöopathie bei den Rindern Wirkung zeigt.”

Text: Molkerei Berchtesgadener Land Photo: CC0 Public Domain